Manchmal stößt man auf eine Geschichte, die man nicht für sich behalten möchte.
Kürzlich las ich einen wunderbaren Artikel über David Austin, den Mann, der für mich einer der größten Innovatoren in der Rosenwelt war. Seine Rosen haben Millionen Gartenliebhaber inspiriert und sind auch bei Belle Epoque nach wie vor sehr beliebt.
Was mich besonders berührte, war, dass sein Erfolg keineswegs selbstverständlich war. Im Gegenteil: Es gab einen Moment, in dem er fast den Mut verlor. Unten erzähle ich seine Geschichte mit meinen eigenen Worten.
Ein Traum, den niemand verstand
In den fünfziger Jahren waren moderne Teehybriden die Norm. Sie blühten üppig und in vielen Farben, aber laut David Austin fehlte etwas. Der Charme, Duft und die Romantik der alten Gartenrosen waren größtenteils verschwunden.
Er stellte sich eine Frage, die damals fast unmöglich schien:
„Warum sollte eine Rose nicht das Beste aus beiden Welten haben können?“
Er wollte den herrlichen Duft und die Blütenform historischer Rosen mit der wiederholten Blüte und dem Farbspektrum moderner Rosen verbinden. Ein ehrgeiziger Plan, dem nur wenige Menschen Vertrauen schenkten.
Die ersten Rückschläge
Wie bei vielen großen Ideen verlief der Start alles andere als reibungslos.
Seine ersten Sämlinge gingen durch einen Pilzbefall verloren. Jahre Arbeit verschwanden in kurzer Zeit. Trotzdem begann er erneut, geduldiger und mit mehr Wissen als zuvor.
Das zeichnet meiner Meinung nach echte Pflanzenzüchter aus. Jeder Misserfolg bringt neue Erkenntnisse.
„Niemand will solche altmodischen Rosen“
Nach jahrelangem Kreuzen kam 1961 endlich seine erste große Einführung: Constance Spry.
Heute ist das eine legendäre Rose, aber damals reagierte die Rosenwelt ganz anders.
Viele Fachleute fanden die Blüten zu voll, zu romantisch und sogar altmodisch. Züchter wollten sie nicht in ihr Sortiment aufnehmen, weil sie erwarteten, dass es keinen Markt dafür geben würde.
Das muss eine enorme Enttäuschung gewesen sein.
Fast aufgegeben
Wenn man jahrelang all seine Zeit, Energie und Geld in etwas steckt und dann fast niemand daran glaubt, beginnt man zu zweifeln.
Der Geschichte nach hat David Austin ernsthaft darüber nachgedacht, aufzuhören. Der Gegenwind war groß und Anerkennung blieb aus.
Glücklicherweise entschied er sich, noch einmal durchzuhalten.
Anstatt darauf zu warten, dass andere Züchter seine Rosen verkaufen wollten, verkaufte er sie selbst. Einfach vom Küchentisch auf dem Bauernhof in Shropshire aus.
Diese einfache Entscheidung erwies sich letztlich als Beginn von etwas viel Größerem.
Durchhaltevermögen siegt oft
Jahre später änderte sich alles.
Immer mehr Gartenliebhaber entdeckten die besondere Kombination aus Duft, Blütenform und langanhaltender Blüte. Die Wertschätzung wuchs langsam, aber stetig.
Der eigentliche Wendepunkt kam, als seine englischen Rosen auf der Chelsea Flower Show viel Aufmerksamkeit erhielten. Ab diesem Moment begann die Welt zu sehen, was er all die Jahre vor Augen hatte: einen völlig neuen Rosentyp, der den Charme von früher mit den Qualitäten moderner Sorten vereinte. (gardenstory.jp)
Eine Lektion, die inspiriert
Was mich an dieser Geschichte anspricht, ist nicht nur der Erfolg, sondern vor allem der Weg dorthin.
Jeder Unternehmer, Züchter oder Liebhaber erlebt Zweifel. Neue Ideen werden oft zuerst kritisch betrachtet. Das gilt nicht nur für Rosen, sondern für jede Form von Innovation.
David Austin zeigte, dass Überzeugung, Geduld und Fachwissen letztlich stärker sein können als die Meinung der Masse.
Und vielleicht ist das die schönste Botschaft seiner Geschichte.
Eine persönliche Anmerkung
Die Geschichte von David Austin endet übrigens nicht bei David selbst. Inzwischen wird sein Lebenswerk von seinem Sohn, David Austin Junior, und der nächsten Generation der Familie fortgeführt.
David Junior hat selbst ebenfalls einen beeindruckenden Weg zurückgelegt. Er glaubte an die Entwicklung exklusiver Schnittrosen mit derselben Schönheit und demselben Duft wie die berühmten Gartenrosen. Das war damals alles andere als selbstverständlich. Der Markt war dafür eigentlich noch nicht bereit. Duftende Schnittrosen galten als Nische und viele zweifelten, ob es überhaupt eine Nachfrage geben würde.
Dennoch hielt er an seiner Vision fest. Eines der bekanntesten Ergebnisse davon ist die inzwischen weltberühmte Juliet-Rose, die zu einem Symbol im Luxusblumensektor wurde. Damit hat David Junior mitgeholfen, einen völlig neuen Markt für duftende, exklusive Schnittrosen zu schaffen.
Ich hatte das Privileg, bei David Junior buchstäblich einen Blick hinter die Kulissen werfen zu dürfen. Als Zwanzigjähriger konnte ich viel von ihm lernen. Nicht nur über Rosen, sondern vor allem über Unternehmertum und Durchhaltevermögen.
Seine wichtigste Lektion ist mir immer im Gedächtnis geblieben: glaube weiter an deine Vision, auch wenn der Markt heute noch nicht bereit dafür scheint.
Diesen Gedanken habe ich mitgenommen, als ich als Zwanzigjähriger half, den Vertriebskanal für seine Rosen über die Blumenauktion in Aalsmeer aufzubauen. Auch das war damals Pionierarbeit. Rückblickend bin ich dankbar, dass ich ein Teil davon sein durfte.
Gerade deshalb spricht mich die Geschichte von David Austin so sehr an. Hinter jeder schönen Rose stecken oft Jahre voller Geduld, Fachwissen und der Mut, weiterzumachen, wenn andere noch nicht sehen, was du schon vor dir hast.
Quelle und Inspiration
Dieser Blog wurde inspiriert von dem Artikel „When David Austin Nearly Gave Up“ von Martin Stott auf Storyteller Garden. Ich habe die Geschichte zusammengefasst und mit meinen eigenen Worten neu erzählt.
Wenn du den ursprünglichen englischsprachigen Artikel lesen möchtest, findest du ihn hier:
https://storytellergarden.co.uk/when-david-austin-nearly-gave-up/


1 Kommentar
Thanks for the wonderfull story this inspires me also in the love of gardening with these beautifull roses from David Austin. A great lesson we can learn from. Thanks so much.🌹
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